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EXCERPT FROM MANAGER MAGAZINE, GERMANY (SEPTEMBER, 2000) INTERVIEW AND ARTICLE ABOUT SEX & BUSINESS (Pearson Deutschland) Mm (Manager Magazine): Frau Hite, Sie haben �ber drei Jahrzehnte die Sexualit�t von Frauen und M�nnern studiert und Tausende von pers�nlichen Gespr�chen gef�hrt. Seit einiger Zeit nutzen sie diese Erfahrungen auch f�r die Beratung von Gro�unternehmen. Was ist es, was F�hrungskr�fte an diesem Thema interessiert? Hite Es ist die Tatsache, dass wir in den Unternehmen eine neue Situation haben, weil auf allen Ebenen immer mehr Frauen gleich berechtigt mit M�nnern zusammen arbeiten. Damit spielt auch am Arbeitsplatz die erotische Spannung und die Sexualit�t eine gro�e Rolle. Und die F�hrungskr�fte wissen oft nicht so recht, wie sie mit dieser Entwicklung umgehen sollen. Sie sind unsicher. Mm Wieso unsicher? Die haben doch sonst alles im Griff. Hite
Ich habe das Gef�hl, �ber die Regelungen von Erotik und sexuellen Beziehungen
im Unternehmen, vor allem aber auch �ber sexuelle Bel�stigungen im Unternehmen
zu reden, wird gleichgesetzt mit Kontrollverlust. Mm
Was ist denn Ihre Aufgabe bei derartigen Beratungsgespr�chen? Hite
Ich versuche, das Gespr�ch �berhaupt in Gang zu bringen. Da ist die
Anwesenheit einer Person, die ein solches Gespr�ch f�hrt, schon sehr hilfreich. Mm
Wieso ist die Unsicherheit denn so gro�? Hite
Weil neunundneunzig Prozent der CEOs M�nner sind. Selbst in den Vorst�nden
sind nur f�nf Prozent Frauen. Auch wenn es keine b�se Absicht ist, das Thema
kommt gar nicht auf die Tagesordnung, weil es nicht erlebt wird. Und da bleiben
sie eben bei ihren alten Ritualen. Mm
Welche sind das? Hite
Seit den Kindertagen bewegen sich Jungs ja nur in Jungenkreisen. Sie lernen,
dass sie sich auf diese Gangs verlassen k�nnen. Die Mutter zum Beispiel kann
ihnen nicht helfen, die sagt nur, dass sie sich wehren sollen. So erfahren sie
nie die Hilfe von Frauen. Statt dessen ist ein Junge schnell als Mutters�hnchen
verschrieen. Dieses Verhalten �bertragen sie auf den Beruf und grenzen Frauen
aus. Und es gab ja auch eine Zeit, in der Frauen das undiskutiert mit gemacht
haben. Mm
Weshalb eigentlich? Hite Das hat mit der m�nnlichen Definition von Sexualit�t zu tun. Als ich in meinem ersten Report fest stellte, dass viele Frauen keinen Orgasmus bekommen, dachten die wengisten Leserinnen daran, dass das auch die Schuld der M�nner sein k�nnte. Ganz einfach weil die es falsch machen. Statt
dessen f�hlten sich die Frauen irgend wie unfertig. Deshalb wagten sie nicht,
hohe berufliche Anspr�che zu stellen, zum Beispiel Pr�sidentin eines
Unternehmens zu werden oder eine gro�e Komponistin. Mm
Und M�nner genie�en unverhohlen die sexuelle Seite der Macht? Hite
Die stehen auch unter Druck, und zwar gewaltig. Die Norm f�r M�nner ist, dass
sie st�ndig eine Erektion haben. Aber auch Frauen sind diesem Erwartungsdruck
ausgesetzt, m�ssen st�ndig sexy aussehen und pausenlos Orgasmen haben. Das
sind nun die Bilder, die man
voneinander hat. Niemand redet offen dar�ber. Daher f�hren diese Klischees im
Beruf und im Privatleben zu Spannungen. Mm
Das hei�t also, dass M�nner Frauen auch in beruflicher Hinsicht nach diesen
Klischees einsch�tzen?
Hite
Es geht dabei vor allem um die Demonstration vor anderen M�nnern.
Jemand sagte vor kurzem zu mir, dass in italienischen Autokonzernen sich
der oberste Chef mit vielen Frauen umgibt, die alle aussehen wie Models. Es soll
zeigen, dass sie sexuell potent sind. Manchmal wird es sogar zum Imagetr�ger
einer Firma, bei fluggesellschaften zum Beispiel, wo die Stewardessen in einer
bestimmten Weise gekleidet sind, mit knappen Jeans. Das soll attraktiv aussehen
und das starke Image der Airline unterst�tzen. Mm
Nun werden ja auch die M�nner immer attraktiver, jeden Falls wenn man die
Bilder junger Manager in Lifestyle-Zeitschriften anschaut. Ist das f�r Frauen
nicht attraktiv?
Hite
Sexuelle Attraktivit�t bei M�nnern ist auch f�r
Frauen faszinierend, damit auch seine k�rperliche Fitness. Aber dass die alle
so gut aussehen? Ich glaube, das ist die eher die Vorstellungswelt von
Modezeitschriften und Calvin Klein-Anzeigen. Die meisten sind ein bi�chen
runder. Mm
Aber viele eben auch nicht, und die sehen doch durchaus attraktiv aus, auch
unter sexuellen Gesichtspunkten. Hite
Zugegeben. Und das ist f�r Frauen sicher auch attraktiv. Mm
Dann steht doch das B�ro immer unter Strom?
Hite
Wir m�ssen uns einfach von der Idee verabschieden, dass die Arbeitswelt
geschlechtsneutral ist. Dann werden auch die F�hrungskr�fte offener �ber
Sexualit�t in ihren Betrieben reden. Wir m�ssen endlich zu einer nat�rlichen
Situation kommen. Mm
Was hei�t das: Nat�rliche Situation?
Hite
Dass wir von Individuen sprechen, von Pers�nlichkeiten, die m�nnlich oder
weiblich sind, egal. Wir hatten ja bislang eine v�llig unnat�rliche Situation
f�r Frauen. Denken Sie nur an diese B�cher mit Dress Codes f�r weibliche F�hrungskr�fte.
Erinnern Sie sich an die Zeit, als es hie�, Frauen sollten sich im Business so
anziehen wie M�nner? Mm
Immerhin haben Sie es getan. Und viel junge Frauen tun es immer noch. Hite
Wir haben das zehn Jahre lang versucht, die ganzen Neunzigerjahre war die m�nnliche
Attit�de gewisserma�en das Gebot des Jahrzehnts. Mm
Es scheint nicht so ganz funktioniert zu haben, wenn man die Erfolgsbilanz
betrachtet. Hite
Es hat nicht funktioniert. Es war ein Druck auf Frauen. Heute ist es deshalb
wieder anders. Heute spielt der feminine Look wieder eine gr��ere Rolle. Das
hei�t auch, dass Frauen einfach auch Frauen sein d�rfen. Mm
Bringt das auch Vorteile gegen�ber den M�nnern? Krass gefragt, k�nnten Frauen
das nicht ausnutzen? Hite
Das ist eine schwierige Frage. Aber sicher ist, dass Frauen auch keine
Engel sind. Schlie�lich geht es im Beruf in erster Linie um Wettbewerb. Also
kann es doch nicht von Frauen moralisch verwerflich sein, wenn sie auf weibliche
Waffen zur�ckgreifen. Jetzt, wo wir die politische Korrektheit der achtziger
Jahre ein wenig �berwunden haben, finden viele Frauen wieder Gefallen an der
Vorstellung, ein wenig Lippenstift k�nnte tats�chlich im Kampf auf dem
ungleichen Feld des Berufslebens hilfreich sein. Mm
Dann gilt das aber auch f�r die M�nner. Hite
Nicht der Lippenstift. Aber im Ernst: Das gilt sicher auch f�r die M�nner.
Wieso sollen M�nner nicht alle ihnen zu Gebote stehenden Vorteile ausn�tzen,
um Erfolg zu haben? Mm
Wenn nun die Frauen in die Top-Etagen vordringen, werden sie sich die ehemaligen
sexuellen Privilegien der M�nner aneignen und sich wie die M�nner Geliebte als
Troph�en ihrer Macht halten? Hite
Vielleicht geschieht das hier und da. Ich kenne aber keine Beispiele. Und daher
glaube ich, dass es sehr selten geschieht. Oder haben Sie davon geh�rt, dass
Hillary Clinton nach der Lewinsky-Aff�re ein Revanche-Foul gespielt hat? Oder
von Madeleine Albright? Oder von Carly Fiorino? Sie sind wirklich repr�sentative
Beispiele f�r Frauen, die st�ndig auf Dienstreisen sind. Ich glaube nicht,
dass die Aff�ren haben. Mm
Aber
werden sich die Frauen nicht die Machtinsignien der M�nner aneignen? Hite
Ich halte die Idee, dass Frauen sich demn�chst genau wie M�nner fr�her
verhalten, f�r ein Klischee. Das Ergebnis meiner Recherchen legt jeden Falls
ein ganz anderes Ergebnis nahe: dass Frauen ein anderes psychologisches Make up
tragen. Mm
Sie sagen das sehr �berzeugt. Was macht Sie so sicher?
Hite
Sie sehen es ja schon daran, dass die Symbolkraft bestimmter Dinge f�r Frauen
unerheblich ist: das gro�e B�ro, das gro�e Dienstauto. Frauen wollen eher
eine zufriedenstellende Arbeitsumgebung. Deshalb sind sie ja auch billiger. Ich
kenne CEOs, die gerne Frauen in der F�hrungsmannschaft haben, weil sie weniger
Anspr�che stellen als M�nner, mehr arbeiten und dadurch bei gleichem Gehalt 20
Prozent mehr wert sind. Mm
Warum wollen Frauen dann in diese Etagen, wenn es so hart ist?
Hite
Viele von den jungen Frauen, die ich w�hrend meiner Vorlesungen an renommierten
Universit�ten kennen gelernt habe, wollen das gar nicht mehr. Sie wollen keine
CEOs werden. Sie wollen all diese K�mpfe nicht, die wollen nicht gezwungen
werden, die Entscheidung zu treffen, ob sie nun mit dem gro�en Boss schlafen
oder nicht. Deshalb gehen sie einen anderen Weg. Mm
Welche? Ziehen sie sich wieder in die Familie zur�ck?
Hite
Im Gegenteil. Sie gr�nden eigene Firmen. Das ist einzig wirkliche Strategie,
der sexuellen Diskriminierung zu entgehen. Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass
auch M�nner eigentlich diesen Kampf nicht wollen. Sie haben nur keine
Vorstellungen davon, was besser funktionieren w�rde. Und das m�ssen wir �ndern. Mm
M�ssten dann nicht die M�nner ge�ndert werden? Hite
Ja sicher, vor allem die M�nner. Mm
Und Sie glauben wirklich, dass man M�nner �ndern kann? Hite
Ich habe sie f�nfundzwanzig Jahre lang studiert. Ich bin sogar sicher, dass sie
auf eine Ver�nderung warten. Im Laufe der Jahrzehnte, die ich mit meinen
Recherchen zugebracht habe, ist immer wieder deutlich geworden, dass diese
monolithische Machtposition viele M�nner unzufrieden macht und desillusioniert. Mm
Ich bin da nicht so optimistisch
Hite
Das erstaunt mich. Die Zeichen sind doch deutlich erkennbar. Immer mehr M�nner
nehmen Erziehungsurlaub. Immer mehr M�nner fragen immer h�ufiger nach dem
Preis der Karriere f�r die Gesundheit. Mm
Das h�rt sich so an, als zielten Sie mit dieser Bemerkung auf den positiven
Einfluss der Frauen?
Hite
Das ist sicher so. Vor allem dann, wenn sich die Geschlechter im Arbeitsleben
gleichberechtigt begegnen. Wir sind auf dem Weg zu einer neuen Kultur der
Geschlechter in der Gesellschaft insgesamt. Und ich glaube, dass die Arbeitswelt
der Ausgangspunkt daf�r ist. Vor uns liegt eine unbeschriebene, offene Seite,
von der aus die Gesellschaft ver�ndert werden k�nnte. Aber es gibt noch ganz
andere Tabus, an denen wir r�hren m�ssen. Mm
Welche Tabus meinen Sie, wir reden doch offen �ber alles? Hite
Wir reden hier offen von heterosexuellen Beziehungen. Immerhin aber sind zehn
Prozent der Bev�lkerung homosexuell. Die Vermutung liegt nahe, dass auch ein
betr�chtlicher Teil der F�hrungskr�fte homosexuell ist. Das darf man bei
aller Liberalit�t offensichtlich aber �berhaupt noch nicht zugeben. Mm
Mittlerweile hat sich doch die Gesellschaft so weit emanzipiert, dass
Homosexualit�t nur noch von zur�ckgebliebenen Dumpfbacken als Problem gesehen
wird. Hite
Mag sein. Aber im Wirtschaftsleben scheint es ein paar Grenzen zu geben. Oder
kennen Sie irgend einen Vorstandsvorsitzenden eines weltweit agierenden Gro�unternehmens,
der offen sagt, dass er homosexuell ist? Kennen Sie eine lesbische
Vorstandsvorsitzende? Das ist ja noch unvorstellbarer. Die Unternehmen verlieren
durch dieses Spiel, durch die Verstellung eine Menge Energie. Mm
Dann schon eher eine Geliebte? Hite Das Klischee ist, dass man auf dieser Ebene verheiratet ist und zwei Kinder hat. �brigens auch f�r weibliche F�hrungskr�fte, trotz der Tatsache, dass in der Gesellschaft l�ngst die H�lfte der Menchen als Singles lebt. Aber wenn schon nicht verheiratet und Kinder, dann allen Falls eine Geliebte. Auf jeden Fall eine heterosexuelle Beziehung. |
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